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Neuntklässler entwickeln Stifte mit Kaugummi-Halterung: Fechenheim: Schüler gründen eine Firma

Wie baut man eine eigene Firma auf? Wie entwickelt man ein Produkt, wer macht was? Und woher kommt das Geld? Um das selbst auszuprobieren, haben Fechenheimer Neuntklässler ihre eigene Schülerfirma gegründet.
Geschäftsführerin Fatima und Marketing-Experte Leon (beide 15) präsentieren die Fördergutscheine, auf dem Handy von Lehrerin Sara Steinhardt ist das Logo der Schülerfirma „Creathings“ zu sehen. Foto: Leonhard Hamerski Geschäftsführerin Fatima und Marketing-Experte Leon (beide 15) präsentieren die Fördergutscheine, auf dem Handy von Lehrerin Sara Steinhardt ist das Logo der Schülerfirma „Creathings“ zu sehen.
Fechenheim. 

Eine Firma zu gründen, ist gar nicht so einfach, denn neben einer guten Geschäftsidee braucht man dazu auch Kapital. Aber woher nehmen? Ein Weg ist es, Sponsoren zu suchen – ein anderer, es aus eigener Tasche zusammenzukratzen. Die Schüler der Klasse 9a der Heinrich-Kraft-Schule machen beides: Jeder von ihnen muss zunächst selbst einen der 50 Fördergutscheine kaufen, die sie vom Junior-Programm des Kölner Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) bekommen haben. Den Rest müssen sie verkaufen – und dafür Investoren finden.

Auf ein Jahr befristet ist die Schülerfirma, die am 1. September gegründet wurde – denn mit Ende des Schuljahrs wird sie wieder aufgelöst. Dabei geht es zu wie in einem echten Unternehmen: Es gibt eine Geschäftsführung, Controller, eine Marketing- und eine Produktentwicklungsabteilung und vieles mehr. Jeder in der 9a hat eine Aufgabe. Zwei Monate nach dem Start wird es nun langsam ernst. Es gibt eine Idee für zwei Produkte: Einen Stift mit einem Kaugummihalter am Ende und Tipp-Ex mit Ventilator. „Über letztere Idee denken wir noch einmal nach. Für den Kaugummihalter sitzt Marcello bereits am Entwurf für eine Produktskizze“, erklärt Klassenlehrerin Sara Steinhardt, in deren Arbeitslehre-Unterricht die Firma entsteht.

Auch ein einfaches, aber einprägsames Logo hat die Firma bereits, die die Schüler „Creathings“ genannt haben, eine Kombination der englischen Worte „create things“, auf Deutsch: „erstelle Dinge“. Auf grünem Hintergrund steht der Firmenname, dessen „i“ ein Bleistift ersetzt.

Anteilsscheine verkaufen

Doch an diesem Tag geht es um die Finanzen: Allessandro Azzolino, ein Schulsozialarbeiter des Vereins für Kultur und Bildung (Kubi), der die Unterrichtsstunde gemeinsam mit Steinhardt moderiert, präsentiert die Fördergutscheine. „Als erstes solltet ihr entscheiden, woher ihr das Geld nehmt, mit dem ihr eure eigenen Anteilsscheine bezahlt – und wie viel ihr dafür nehmen wollt“, sagt Steinhardt. Zur Debatte stehen fünf oder zehn Euro je Gutschein, so die Vorgabe des Junior-Programms.

Entscheiden sollen die Schüler selbst, schließlich ist es ihre Firma und ihr Geld. Einige würden lieber nur fünf Euro geben – aber reicht das? Die Stifte müssen bezahlt werden, ebenso wie die Halterungen für den Kaugummi. Und woher das Geld nehmen? Aus der Klassenkasse oder vom Taschengeld? „Aus der Klassenkasse“, so mehrstimmig der erste Impuls. „Aber ihr müsst daraus auch Unterrichtsmaterialien und andere Dinge bezahlen – reicht das?“, fragt Steinhardt. Trotzdem, die Entscheidung fällt: Das Geld kommt aus der Klassenkasse.

Nun geht es darum, die anderen Anteile zu verkaufen, aber an wen? „An fremde Leute“, schlägt Zoey (15) vor. „Aber die haben vielleicht keine Lust darauf. Was ist mit Lehrern?“, wirft Jenny ein. „Oder wir gehen in die Stadt, etwa auf die Zeil“, meint Marcello (15), „oder wir fragen Freunde.“ Ob Fremde wohl zehn Euro investieren würden in eine Schülerfirma, überlegt Beyza (14). „Wenn jemanden das zu viel ist, können wir immer noch auf fünf Euro runtergehen“, meint Feride (14). „Und vergesst nicht, wenn ihr Gutscheine ausgebt, den kleinen Abschnitt mit Namen und Adresse zu behalten. Schließlich müsst ihr die Leute alle zur Gesellschafterversammlung einladen.“

Sogar Geld verdient

Auf die Idee, mit ihren Schülern eine Firma zu gründen, kam Steinhardt, weil sie einst selbst als Schülerin am Junior-Projekt teilgenommen hatte. „Wir haben damals Schulhefte mit individuellen Deckblättern hergestellt und verkauft. Es war toll – und wir haben sogar etwas Geld damit verdient.“

Los ging es für die Neuntklässler mit einem dreitägigen Innovationsworkshop, geleitet von Mitarbeitern der Investmentbank Goldman Sachs: Neben einer Einführung wurden dabei auch die Aufgaben verteilt. „Dabei haben die Schüler geschaut, welche Stärken sie haben und haben sich selbst eine Aufgabe ausgesucht“, sagt Steinhardt.

Das Junior-Schülerfirmenprogramm bietet das IW seit mehr als 20 Jahren in ganz Deutschland an. Seitdem haben mehr als 100 000 Schüler an den Programmen teilgenommen. Infos gibt’s unter www.junior-programme.de im Internet.

(hau)
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