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S&K-Betrüger: Ein Preis und sein Preis

Melanie Bergermann von der Frankfurter Redaktion der „Wirtschaftswoche“ hat die dubiosen Geschäfte der S&K Unternehmensgruppe recherchiert. Gestern nun ist sie für ihre im Januar erschienene Titelgeschichte mit dem „Georg von Holtzbrinck“-Preis für Wirtschaftspublizistik ausgezeichnet worden. Dass sich eine Reporterin wie sie Feinde macht, musste sie in diesem Jahr auf besonders üble Weise erfahren.
Lässt sich nicht einschüchtern: Melanie Bergermann vor der ehemaligen Villa von S & K, deren kriminelle Machenschaften sie aufdeckte. Für ihren Bericht gewann sie den »Georg von Holtzbrinck«-Preis. 	Foto: Christes Lässt sich nicht einschüchtern: Melanie Bergermann vor der ehemaligen Villa von S & K, deren kriminelle Machenschaften sie aufdeckte. Für ihren Bericht gewann sie den »Georg von Holtzbrinck«-Preis. Foto: Christes
Frankfurt. 

Noch ist die Geschichte vielleicht nicht ganz ausgestanden. Vor einigen Tagen hat Melanie Bergermann (33) ihr Auto zur Werkstatt gebracht, um es lackieren zu lassen. Am Morgen danach stand es wieder zerkratzt in der Frankfurter Straße, in der die Wirtschaftsreporterin wohnt, „wieder komplett zerkratzt“, sagt sie. Es mag Zufall sein, irgendwelche Vandalen könnten sich ausgerechnet ihr Auto ausgesucht haben. Doch wer weiß – was Melanie Bergermann erlebt hat, mag an solche Zufälle kaum mehr glauben.

Die Geschichte beginnt Anfang des Jahres. Melanie Bergermann, Redakteurin im Frankfurter Büro der zum Holtzbrinck-Verlag gehörenden „Wirtschaftswoche“, hat monatelang über die Frankfurter S&K Gruppe recherchiert; Ende Januar 2013 – drei Wochen, bevor die Staatsanwaltschaft Frankfurt bei S&K auftaucht – sind die Ergebnisse in einer Titelgeschichte nachzulesen. Das Unternehmen lockt Anleger mit aberwitzig hohen Renditeversprechen in seine Sachwerte-Fonds, angeblich gestützt auf S&K-eigene Immobilien und ein entsprechend solides Stammkapital.
 

Bilderstrecke Inventar der S&K-Villa wird versteigert
Möbel im Kolonialstil, Sessel, Sofas und Elektrogeräte: Anfang des Jahres flogen die betrügerischen Machenschaften der Investmentfirma S&K auf. Jetzt wird das gepfändete Inventar der S&K-Villa online versteigert.

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Doch manche ihrer Immobilien hat die S&K maßlos überbewertet, manche Immobilien gehören dem Unternehmen gar nicht, für Anleger ist das Gestrüpp aus Gesellschaften ohnehin nicht zu durchschauen. So berichtet es Bergermann. „Finger weg! Wo Sie besser nicht investieren sollten“, warnt die „Wirtschaftswoche“. S&K ist zu diesem Zeitpunkt nicht das einzige Unternehmen, dessen dubiose Geschäfte die Reporterin unter die Lupe nimmt. Und wo Wirtschaftsjournalismus ans Eingemachte geht, steht viel auf dem Spiel. „Wir machen uns Feinde“, sagt Melanie Bergermann. Sie weiß um die Verantwortung, die sie trägt. „Einschüchtern lasse ich mich aber nicht“, sagt sie. Jemand hat es versucht.

In den Tagen nach Erscheinen des S&K-Artikels fiel Melanie Bergermann zum ersten Mal auf, dass sie nach der Arbeit verfolgt und beschattet wird: in der U-Bahnstation, in der U-Bahn, auf dem Weg von der heimischen Station fast bis nach Hause, 500 Meter lang ist er und führt durch ruhige Straßen und einen entlegenen Pfad. Blieb sie stehen, blieb auch dieser Mann stehen, beschleunigte sie ihren Gang, lief auch er schneller. Breite Schultern habe er gehabt, sagt sie, aber sein Gesicht habe er stets geschickt vor ihr verbergen können. „Passen Sie auf, die sind gefährlich“, hatten sie Informanten in den Wochen ihrer S&K-Recherchen mehrfach gewarnt, aber nun, da dieser Mann sie verfolgte, nahm sie das nicht weiter ernst. Drei Wochen ging das so. Drei Wochen, in denen sie niemandem davon erzählte. „Sie ist eine Unerschrockene“, sagt Roland Tichy, Chefredakteur der „Wirtschaftswoche“.

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(In unserem Special finden Sie alle Infos zum S&K-Skandal.)

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