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"Bandschmiede": Die etwas andere Musikschule

Nicht allein im stillen Kämmerlein, sondern als Teil einer Band – so lernt man am besten ein Instrument. Davon ist Patrick Stieglitz überzeugt. In seiner Musikschule „Bandschmiede“ ist daher das gemeinsame Spielen ein wichtiger Teil des Unterrichts.
Patrick Stieglitz (Zweiter von rechts) bei der Bandprobe mit (von links) Peter Albrecht, Alice Tszorf und Marco Schworm. Bilder > Foto: Rainer Rueffer-- FRANKFURT AM MA Patrick Stieglitz (Zweiter von rechts) bei der Bandprobe mit (von links) Peter Albrecht, Alice Tszorf und Marco Schworm.
Fechenheim. 

Patrick Stieglitz (43), genannt „Peddy“, brauchte 48 Stunden, um seine eigene Musikschule zu gründen. Sie sollte anders sein und vor allem auch Spaß an der Musik vermitteln, indem die Schüler möglichst früh in einer Band mitspielen. „Du lernst am besten, wenn du dein Instrument gleich zusammen mit anderen Musikern einsetzt und nicht alleine im stillen Kämmerlein“, sagt Stieglitz. Genau das aber kam ihm in anderen Musikschulen zu kurz. Wer immer nur alleine übe, Jahre lang immer nur neue Stücke einstudiere, verliere schnell die Lust, ist seine Erfahrung. In seiner „Bandschmiede“ steht daher das gemeinschaftliche Musizieren im Vordergrund.

An einem Dienstagabend im Frühjahr 2003 verließ der studierte Instrumentalpädagoge entrüstet die Musikschule, für die er arbeitete. Wieder hatte er versucht, seinem Chef schmackhaft zu machen, die Schüler nicht nur individuell, sondern auch in Gruppen, als Bands, zu unterrichten. Doch der wollte – wieder einmal – nichts davon wissen. „Abends habe ich mich bei einem Nachbarn ausgekotzt.“

Am nächsten Morgen schwang sich Stieglitz auf seine Vespa und fuhr auf der Suche nach Räumen für eine eigene Musikschule zur Hanauer Landstraße. Neben „Musik-Schmidt“, dem heutigen „Session-Music“, Hausnummer 338, war eine Etage frei. „Noch am Nachmittag traf ich den Vermieter, am Donnerstagnachmittag unterschrieb ich den Mietvertrag.“

Zwei Festivals pro Jahr

Stieglitz lieh sich bei Freunden Geld, baute ein halbes Jahr lang die Räume zur Musikschule um. Im November 2003 eröffnete die „Bandschmiede“. Die vier Proberäume eignen sich für Einzel- und Gruppenunterricht, überall stehen Instrumente herum. Auch ein kleines Aufnahmestudio samt Gesangskabine gibt es. Der größte Raum hat eine Bühne. Zwei Mal pro Jahr geben die Bands der Musikschule hier ein Konzert: die „Bandschmieden Festivals“. Am Anfang unterrichtete Stieglitz alleine. Das selbstgesteckte Ziel, nach einem Jahr 50 Schüler zu haben, erreichte er. Inzwischen sind daraus 120 geworden. Zehn weitere Musiklehrer lehren hier Gesang, Gitarre, Bassgitarre, Saxophon, Klavier, Schlagzeug und Percussion.

Noten lernen steht in der „Bandschmiede“ erst an zweiter Stelle. „Wir zeigen den Schülern ein paar Akkorde.“ Einfaches Tempo, einfache Melodien, immer im Kreis. „Das ist zwar noch kein Lied. Aber wenn Gitarre, Keyboard und Schlagzeug zusammenspielen, bist du ein Teil des Ganzen. Du kannst zwar nicht Beethovens ,Für Elise‘, aber du musizierst.“

Interaktion ist wichtig

„Das ist das, was an der Musik so viel Spaß macht: Einer spielt eine Melodie, man nimmt die Impulse auf und spielt mit.“ Interaktion sei „extrem wichtig“, sagt Stieglitz. „Du kommunizierst mit dem Publikum und mit deinen Mitspielern.“ Mit dem Erfolgserlebnis, Teil einer Gruppe zu sein, steige die Motivation. „Man wird schnell besser und die Sicht auf das eigene Instrument verändert sich.“

Damit die Bands nicht sich selbst überlassen bleiben, bietet die Musikschule neben dem Einzelunterricht, der bei einer Stunde pro Woche monatlich 127 Euro kostet, „Bandtraining“ an, das für monatlich 49 Euro pro Stunde und Person zu haben ist. „Das heißt, dass einer von uns die Musiker anleitet“, erklärt Stieglitz. Zunächst würden Stücke gecovert, also Lieder bekannter Bands nachgespielt. „Ich finde es aber gut, wenn die Gruppen schnell eigene Stücke schreiben.“ Bands entstehen auf unterschiedliche Art. „Manchmal bringen wir einen Schüler einfach in Kontakt zu bestehenden Bands. Manchmal machen wir aber auch Ausschreibungen, etwa: Wir wollen ein neue Rockband gründen.“

Von dieser Art, Musiker zu werden, ist Stieglitz auch deshalb begeistert, weil er selbst es so lernte. „Als ich 15 Jahre alt war, lieh ich mir von einem Freund, der ein Jahr nach Amerika ging, dessen Gitarre. Ich habe etwas ,rumgeschrummelt‘, etwas komponiert, irgendwann auch dazu gesungen.“ Schnell war er in seiner ersten Band. „Zwischen 15 und 20, 21 verbrachte ich die Hälfte der Zeit im Proberaum.“ Auch Klavier- und Schlagzeugspielen brachte er sich selbst bei. Erst später studierte er an der Frankfurter Musikwerkstatt, machte dort 2000 seinen Abschluss als staatlich anerkannter Instrumental-Pädagoge und begann zu unterrichten.

 

Weitere Infos sind im Internet unter www.bandschmiede.de erhältlich.

 

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