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Gerichtsverhandlung: Das Unschuldslamm von S+K

Von Rund 330 Seiten umfasst die schriftliche Einlassung die der im S&K-Prozess mitangeklagte Firmengründer Jonas Köller (34) derzeit verliest. Dies braucht Zeit. Und so werden sich die Mitglieder der Wirtschaftsstrafkammer, die Staatsanwälte und Verteidiger noch bis lange nach den Osterferien gedulden müssen, bis auch der vierte der sechs Angeklagten vollständig ausgesagt haben wird
Jonas Köller Foto: Bernd Kammerer (Presse- und Wirtschaftsdienst) Jonas Köller
Frankfurt. 

Auch gestern rückte der sehr eloquente und dabei nicht unsympathisch wirkende Köller seinen ehemaligen Mitstreiter Stephan Schäfer in den Mittelpunkt seiner Ausführungen: „Ich möchte nicht sagen, Schäfer ist allein schuld an allem, aber...“. Während er, Köller, von Beginn an mit dem Erwerb und dem Wiederverkauf attraktiver Immobilien S&K wirtschaftlich auf Vordermann habe bringen wollen, habe Schäfer, der ja der eigentliche Lenker des Unternehmens gewesen sei, spätestens seit 2009/10 zunehmend die von den Kunden eingesammelten Gelder „zweckentfremdet verwendet“, sagte der Angeklagte. Vor allem der Vertrieb habe es Schäfer dabei angetan. Er investierte hohe Beträge in den Aufbau von unternehmenseigenen Call-Centern und vergab an diverse Tochterfirmen entsprechende Darlehen. Schwierig sei es für S&K auch geworden, als die Bankenaufsicht Bafin irgendwann einmal den Aufkauf notleidender Lebensversicherungen als Geschäftsmodell für unzulässig erklärte. Dies habe zwar ein anderes Unternehmen betroffen, den S&K-Verantwortlichen jedoch gleichsam die „Gutgläubigkeit“ im rechtlichen Sinne genommen. Spätestens da sei das Konzept Schäfers, der jährlich bis zu 120 Millionen Euro aus angebrochenen Lebensversicherungen der Kundschaft „einsammeln“ wollte, ernsthaft ins Wanken geraten.

Diese Schieflage war alsbald die Grundlage für ernsthafte Meinungsverschiedenheiten und Streitereien zwischen den S&K-Matadoren, von denen die Außenwelt natürlich zunächst nichts mitbekam und mitbekommen sollte. Im Gegenteil: Man schulte offenbar zukünftige Vertriebsmitarbeiter mit markigen Sprüchen und ließ keinen Zweifel aufkommen, dass die Aktivitäten der von der Staatsanwaltschaft als durchweg betrügerisch eingestuften Firma S&K als reiner Glücksfall zu bezeichnen seien. Köller freilich bemühte sich in seiner Einlassung immer wieder, seinen Glauben an die Erwirtschaftung satter Gewinne zugunsten der Firma und der Geldanleger herauszustellen. Zu diesem Zweck habe er auch durchgehend lohnenswerte Immobilienprojekte im Auge gehabt – später jedoch habe er immer öfter feststellen müssen, dass die Häuser und Gewerbeobjekte eine Nummer zu groß für den S&K-Geldbeutel gewesen seien: „Schäfer machte wahnsinnig viel Vertrieb“, habe auch mancher Geschäftspartner festgestellt.

Wenn Köller im April/Mai – nach der zweiwöchigen Osterpause – voraussichtlich fertig mit seiner Aussage sein wird, kommt Schäfer an die Reihe – der dann vermutlich wieder andere Mitangeklagte belasten wird. „Richtig interessant wird es hier erst, wenn die Zeugen kommen“, ließ indes einer der Anwälte verlauten.

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