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Geplanter Bau eines islamischen Gemeindezentrums: Bergen-Enkheim: Moscheepläne neben Wohngebiet sorgen für Kritik

Von Der Verein „Islamische Informations- und Serviceleistungen“ (IIS) hat in der Bessemerstraße ein Grundstück für ein neues Gemeindezentrum samt Moschee gekauft. Der Verfassungsschutz sieht den Verein in der Nähe der islamistischen Muslimbrüder – was dieser zurückweist.
Auf dem früheren Gelände der Gutmann CNC-Technik GmbH in der Bessemerstraße 7 will IIS ein neues Gemeindezentrum bauen. Foto: Leonhard Hamerski Auf dem früheren Gelände der Gutmann CNC-Technik GmbH in der Bessemerstraße 7 will IIS ein neues Gemeindezentrum bauen.
Bergen-Enkheim. 

Die kleine Nikolauskapelle, wo der Ortsbeirat 16 tagt, ist an diesem Abend voll. Einige Besucher sind auf die Emporen gestiegen, weil unten kein Platz mehr war – der Hausmeister bittet sie, herunterzukommen, sie ist gesperrt. Rund 50 Enkheimer sind gekommen, die vor allen eine Frage haben: Was passiert in der Bessemerstraße 7? Die Gerüchteküche brodelt, genaues weiß keiner: Will hier, so fürchten viele, die afghanische Gemeinde aus der Edisonstraße 10 eine Moschee bauen? Jene Gemeinde, deren umstrittenen Imam Said Khobaib Sadat seine Heimatstadt Offenbach seit Jahren abschieben will?

Ein Anwohner der Bessemerstraße weiß mehr, hat er doch den früheren Grundstückseigentümer zusammen mit Fatih Bayram getroffen, dem zweiten Vorsitzenden des im Gallus ansässigen Vereins „Islamische Informations- und Serviceleistungen“ (IIS). Dessen Sprecher, Mohammed Johari, bestätigt, man habe das Gelände gekauft.

Gegründet wurde der IIS am 3. Oktober 1995 „von Muslimen verschiedener Herkunft und Nationalität“, wie der Verein auf seiner Internetseite www.iisev.de erklärt. Er wolle „sowohl Nichtmuslime über den Islam informieren, als auch Muslime in ihrer Glaubenspraxis unterstützen, begleiten und beraten“. Die Freitagspredigt hält der Imam auf Deutsch. Nach Angaben des IIS stammen die Mitglieder aus 50 Nationen, mehr als die Hälfte sei unter 30 Jahre alt. Als Ziele nenne er unter anderem Toleranz, Völkerverständigung und den Abbau von Vorurteilen gegen Muslime.

Laut dem hessischem Verfassungsschutz hat der IIS „Bezüge zum Rat der Imame und Gelehrten in Deutschland“ (RIGD), der der Islamischen Gemeinschaft in Deutschland (IGD) nahestehe – den mitgliederstärksten Anhängern der Muslimbruderschaft in Deutschland. Ein Vorwurf, den der IIS im Internet zurückweist: „Aus der festen Überzeugung heraus, dass jegliche Art von Extremismus zur Spaltung der Gesellschaft beiträgt, lebt der Islamische Informations- und Serviceleistungen seit seiner Gründung Vielfalt und Transparenz auf allen Ebenen.“

Konservativ polarisierend

Jan Pasternack, Referent im Integrationsdezernat, bezeichnet den IIS als „konservativ, autoritär und polarisierend“. Es gebe Gruppen verschiedener Glaubensrichtungen, die streng konservativ seien und deren Gedankengutes polarisierend wirken könne. Mit derartigen Gruppen suche das Amt für multikulturelle Angelegenheiten das kritische Gespräch – „auch schon mit Vertretern des IIS“. Gleichwohl betont er, man dürfe „weder Muslime noch die Besucher ein und derselben Moschee über einen Kamm scheren“.

Noch keine Baugenehmigung

Eine der wichtigsten Fragen für die Nachbarn ist: Wie weit ist das Bauprojekt bereits gediehen? Ortsvorsteherin Renate Müller-Friese (CDU) bestätigt, dass es zwei Bauvoranfragen gebe: Eine für den Bau einer äthiopisch-orthodoxen Kirche und eine für ein islamisches Kulturzentrum samt Wohnung für den Imam. Einen Bauantrag oder eine Baugenehmigung gebe es nicht.

Was der Verein in Bergen-Enkheim bauen will, erklärt der IIS nicht. „Wir haben das Grundstück erst am vergangenen Samstag übernommen. In den kommenden Tagen werden wir mit dem Ortsbeirat sprechen und auf die Nachbarn zugehen, um sie über unsere Pläne zu informieren“, erklärt Mohammed Johari. Wann und wie das geschehe, plane der Verein. Erst am Tag der offenen Moschee, der deutschlandweit am Dienstag, 3. Oktober, begangen wird, wolle man die Pläne in der Mainzer Landstraße 116 vorstellen. Dort befindne sich Moschee, Geschäftsstelle und Buch- und Infoladen des Vereins.

Ein Blick auf die Internetseite des IIS verschafft einen ersten Eindruck über die Vereinspläne. Unter „Projekt Zukunft“ nennt er als Ziel die „Errichtung eines islamischen Informations- und Bildungszentrums mit Moschee“. Eine neue Moschee sei notwendig, weil der Raum in der Mainzer Landstraße knapp sei. Nur eine Neubau werde den Bedürfnissen der Mitglieder gerecht. Benötigt würden ein 1000 Quadratmeter großer Gebetsraum, acht Seminarräume und ein 100 Quadratmeter großer Infoladen mit Neben-, Jugend-, Medien- und Technikräumen, Platz für Wohnungen, Lebensmittelladen und Kindergarten.

Den Nachbarn bereitet derweil Sorge, dass ein religiöses Zentrum noch mehr Autos in meist zugeparkte Bessemerstraße locken dürfte; sicherlich könnten die meist mit dem Auto anreisenden Besucher nicht alle auf dem Gelände parken. Auch fürchten die Nachbarn, dass es an islamischen Feiertagen ähnlich laut werde wie in der Edisonstraße. „Dann kommen dort Busse aus Holland an. Und den Lärm der Feiernden hört man bis zu uns“, moniert eine Anwohnerin. Neben einem Wohngebiet sei nicht der richtige Ort für ein solches Zentrum.

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