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„Förderzeit“ hat sich bewährt: An der Konrad-Haenisch-Schule hat man mehr Zeit, Stärken zu entdecken

Mehr Zeit, die eigenen Fähigkeiten zu finden, erhalten die Konrad-Haenisch-Schüler: Erst in Klasse Acht werden sie dem Haupt- oder Realschulzweig zugeordnet. Das Konzept hat Erfolg: Mehr Schüler als früher schaffen nun den qualifizierten Realschulabschluss.
Im Ausbildungszentrum der IHK in Weiterstadt probieren die Konrad-Haenisch-Schüler verschiedene Berufe aus, etwa Friseur. Foto: Photographer: Holger Menzel Im Ausbildungszentrum der IHK in Weiterstadt probieren die Konrad-Haenisch-Schüler verschiedene Berufe aus, etwa Friseur.
Fechenheim. 

Zwei Klassenarbeiten in einer, für Haupt- und für Realschüler gleichermaßen – geht denn das? An der Konrad-Haenisch-Schule ist das in den Klassen Fünf bis Sieben völlig normal. Entweder indem die Lehrer zwei unterschiedliche Arbeiten an die Schüler austeilen, je nach Leistungsstand. Oder indem es in jeder Arbeit Aufgaben mit zwei Schwierigkeitsgraden gibt: Ein „Fundamentum“ sowie ein „Additum“, eine Zusatzaufgabe für die besseren Schüler, die nicht nur die Aufgabe auf Hauptschulniveau beantworten können, sondern auch auf Realschulniveau.

Förderzeit nennt sich dieses Konzept an der Grund-, Haupt- und Realschule im Fechenheimer Norden. Dabei wird die Unterteilung in Haupt- und Realschulklassen in der Unterstufe, also den ersten drei Jahren, aufgehoben. Erst in Klasse Acht werden die Kinder einer Haupt- oder Realschulklasse zugeteilt. „Eingeführt haben wir das, um die Stärken der Kinder noch mehr fördern zu können. Wir legen ein großes Augenmerk auf die Stärkung der Persönlichkeit“, sagt Schulleiterin Birgid Frenkel-Brandt. Die Kinder haben mehr Zeit für ihre individuelle Entwicklung, werden nicht so früh in ein dann recht starres System aus Haupt- und Realschulzweig der Konrad-Haenisch-Schule gesteckt.

Der Erfolg ist messbar

Die Erfolge seien messbar, sagt Frenkel-Brandt: Seit der Einführung der Förderzeit machen mehr Schüler einen qualifizierten Realschulabschluss als früher, mehr Kinder wechseln auf eine Fachoberschule oder in eine gymnasiale Oberstufe. Einigen Kindern gelingt gar schon nach der siebten Klasse der Wechsel ans Gymnasium.

„Wir merken, dass dieses System auch bei den Eltern auf starkes Interesse stößt“, sagt die Rektorin. Weil sie durch die differenziertere Bewertung etwa bei Klassenarbeiten genauer vor Augen haben, wo die Stärken liegen, wo Förderbedarf bestehe. „Die Betrachtung ist ganzheitlich, über die Leistungen in Mathematik und Deutsch hinaus.“

Dabei helfen Projekte wie „Starke Schule“, für dessen Konzept die Konrad-Haenisch-Schule bereits dreimal ausgezeichnet wurde. Unter anderem wird dabei nach Stärken jenseits der Unterrichtsfächer gesucht, erklärt Frenkel-Brandt. „Es kann ja sein, dass jemand gut mit Hunden umgehen kann, etwa sich mit Blindenhunden auskennt. Das wird dann in der Klasse vorgestellt.“ Die meisten Kinder könnten viel mehr, als sie sich selbst bewusst sein, und freuten sich, dies zeigen zu können. Zur „Starken Schule“ gehören aber auch Lernzeiten für Mathe, Deutsch und Englisch und eine Hausaufgabenbetreuung, finanziert von der Peter Fuld Stiftung.

Vor allem Stadtteilschule

Zwar seien kombinierte Grund-, Haupt- und Realschulen „eine etwas ältere Konstruktion aus den 1960er und 1970er Jahren“, sagt Rüdiger Niemann vom Schuldezernat. Sie würden aber nach wie vor von Eltern nachgefragt. Dass die Konrad-Haenisch-Schüler durch die Förderzeit erst spät auf den Haupt- oder Realschulzweig festgelegt würden, sei „ein sehr schönes Modell“. Auch weil sie vor allem eine Stadtteilschule sei. „Sie zieht aber immer wieder auch Kinder aus anderen Stadtteilen an.“

 

Wer sich über das Konzept informieren möchte, kann dies am Samstag, 28. Januar. Dann findet hier ab 10 Uhr der Tag der offenen Tür der Konrad-Haenisch-Schule, Lauterbacher Straße 2, statt. Dabei zeigen die Fünft- bis Siebtklässler auch die „Starken Seiten“.

 

(hau)
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